Mittwoch, 6. August 2014

Literarische Fundstücke (5)

An einer meiner Laufstrecken wohnt eine gut genährte Katze, von der ich mir einbilde, daß sie mir ab und zu die Zunge herausstreckt während ich an ihr vorbeikeuche. Als ich sie vorgestern traf, hatte ich das Gefühl, sie würde mich hämisch angrinsen, als ich versuchte, elegant meine Geschwindigkeit zu erhöhen. Eine Grinsekatze also. Woher kannte ich das bloß? Richtig:

Die beiden einzigen Wesen in der Küche, die nicht niesten, waren die Köchin und eine große Katze, die vor dem Herde saß und grinste, sodaß die Mundwinkel bis an die Ohren reichten.

»Wollen Sie mir gütigst sagen,« fragte Alice etwas furchtsam, denn sie wußte nicht recht, ob es sich für sie schicke zuerst zu sprechen, »warum Ihre Katze so grinst?«

»Es ist eine Grinse-Katze,« sagte die Herzogin, »darum! Ferkel!«

Das letzte Wort sagte sie mit solcher Heftigkeit, daß Alice auffuhr; aber den nächsten Augenblick sah sie, daß es dem Wickelkinde galt, nicht ihr; sie faßte also Muth und redete weiter: —

»Ich wußte nicht, daß Katzen manchmal grinsen; ja ich wußte nicht, daß Katzen überhaupt grinsen können

»Sie können es alle,« sagte die Herzogin, »und die meisten thun es.«

»Ich kenne keine, die es thut,« sagte Alice sehr höflich, da sie ganz froh war, eine Unterhaltung angeknüpft haben.

»Du kennst noch nicht viel,« sagte die Herzogin, »und das ist die Wahrheit.«