Samstag, 15. Juni 2013

Nachruf an einen treuen Begleiter

Nun bist Du von mir gegangen. Einfach so. Schneller Herztod. Nach dem Mannheim Marathon. Gut, ich gebe zu, die Zeichen der Zeit waren deutlich: hast Du doch in der letzten Zeit immer wieder Eigenheiten entwickelt, die Deinem Alter zuzuschreiben waren. Hast einfach mal den Start verschlafen. Hast einfach mal keine Satelliten gefunden. Oder Dich einfach mal verabschiedet - mitten im Lauf. Oder wolltest Deine Daten nach dem Training nicht preisgeben. Einfach nicht preisgeben. Du warst zunehmend bockig und stur - und wurdest senil. Und trotzdem habe ich Dich geliebt, denn Du hast mich vom ersten Laufjahr an über tausende Kilometer begleitet. Von einem meiner ersten Läufe mit der olympischen Länge von Eintausendzweihundert Metern bis hin zu meinen letzten Läufen über 35 Kilometer durch den Taunus. Du warst dabei, als die Eichhörnchen bei meinen ersten Läufen lachend und prustend über das keuchende, dicke, rollende, stampfende Etwas vom Baum fielen bis hin zu den Rehen, die verstört von einer schnaufenden Presswurst in das Unterholz flüchteten. Und auch beim Wettkampf warst Du immer für mich da - bis letzte Woche.

Am Anfang habe ich Dich gehasst, denn Du hast mir gezeigt, daß ein roter Kopf und zu schwitzen nicht automatisch Schnelligkeit bedeuten. Wir haben uns aneinander gewöhnt, als ich trotz Qual und Mißerfolgen die ersten Forschritte an Dir ablesen konnte. Du hast mich durch die Einöde getragen, über Wiesen und Wälder. Und wir haben zusammen die Welt bereist, Frankfurt, Leipzig, München, und Andalusien. Überhaupt Andalusien, weißt Du noch, als wir zusammen am Strand entlang liefen und ein Mensch sagte, Du seist hässlich. Du. Hässlich. Ich habe Dich verteidigt. Gut, ich gebe zu, in der letzten Zeit warst Du nicht mehr so anschmiegsam wie am Anfang, denn auch Deine Bänder waren nicht mehr die jüngsten. Aber hässlich? Ich habe Dich immer mit anderen Augen gesehen. 

Und nun kam das Ende. Eigentlich haben wir das erwartet, wir wussten, daß der Zeitpunkt nicht mehr in allzuweiter Ferne liegen würde. Und doch kam es plötzlich. Zuerst in Mannheim am Start: Du wollest nicht aufwachen. Dann hast Du 20 Minuten gebraucht, um Dich an Deine Funktion zu erinnern und das GPS Signal zu finden. Und am vergangenen Mittwoch beim Lauf: Einfach so. Ohne ein Wort des Abschieds. Kein letztes Piepen. Aus. Vorbei. Exitus. 

Dein Nachfolger (*) war gestern in der Post. Er sieht elegant aus, schwarz, glänzend - nicht so flittchenhaft rot wie Du. Runder, anschiegsamer. Nicht so eckig und kantig wie Du. Auch wir werden uns aneinander gewöhnen, so wie einst wir beide uns aneinander gewöhnt haben, lieber Garmin Forerunner 305.


(*) Der Nachfolger ist ein Garmin Forerunner 910XT und kann im Gegensatz zu seinem Vorgänger zusätzlich
Kaffee kochen und während des Laufs aus der Konstellation der Sterne das aktuelle Horoskop erstellen.
Zur Zeit belege ich an der Uni Frankfurt das Basisseminar "Garmin Forerunner 910XT Basis - Benutzung
und Einstellung aller Funktion" und werde in wenigen Wochen über meine Zertifizierung als System
Engineer Forerunner (I) berichten, wenn ich die Prüfung bestehe und mit den Einstellungen
 des Geräts zurecht komme.

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