Es fing vor ein paar Wochen an, wie immer, wenn es Frühjahr wird und die Temperaturen höher, die Tage länger werden. Es beginnt immer kaum merklich, vereinzelt. Zunächst. Im Verlauf des Jahres werden es mehr, bis es dann im Herbst wieder nachlässt. Dieses Jahr begann es an der Nidda, im Grüngürtel Frankfurts und es war während eines langen Laufs mit meinem Chef. Es kam von hinten. Keiner konnte damit rechnen. Bei Kilometer Zwölf. Oder Achtzehn. Oder Neun. Aber das spielt auch keine Rolle, denn es geht um die Heimtücke. Das Bösartige. Das "von hinten" den Dolch in das Ego Rammende. Das Problem, um das es hier geht, nenne ich "die Yogurette".
| „Ja, die Yogurette, die schmeckt so himmlisch joghurt-leicht“ |
Es ist eigentlich egal, ob sie von vorne oder von hinten kommen. Kommen sie von vorne, beginnt der geschulte Läufer sofort, seine Haltung zu korrigieren und versucht, ein siegreiches Lächeln aufzusetzen - wofür er wahlweise Mißachtung erntet oder, noch schlimmer, ein Lächeln, das die ganze Welt des Mitleids enthält. Daß man in der Regel mehr als doppelt so alt wie die Yogurette ist, ist dabei kein Trost - hat man doch eben erst mit Mühe verwunden, daß man beim Marathon in die nächst höhere Altersklasse gerutscht ist. Kommen sie von hinten, bleibt einem die Chance verwehrt, die Haltung zu korrigieren,da die Yogurette souverän an einem vorbeigeschwebt und ausser Sichtweite ist, bis man all die Regeln des guten Läuferstils beherzigt und umgesetzt hat. Man kann nur verlieren. Ein Los des Alters, manche Prozesse gehen eben nicht mehr so schnell. Auch dafür hasse ich die Yoguretten.
Noch heimtückischer ist es, wenn eine der Yoguretten im Endspurt eines Marathons an einem vorbeischwebt. Natürlich wie aus dem Ei gepellt, während man mit sich selbst hadert, ob man die hinter einem liegenden siebenunddreissigkommadrei Kilometer mit seinem Cabriolet nicht hätte bequemer und die noch vor einem liegenden Kilometer nicht stilvoller hätte hinter sich bringen können.
Beim Frankfurt-Marathon habe ich dann Rache genommen. Die Yogurette lief eine Weile neben mir, dann zog sie an mir vorbei. Schließlich sah ich sie - "smelling and looking like roses" - an der nächsten Versorgungsstation stehend, trinkend. Innerlich lächelnd, äusserlich um Haltung bemüht, zog ich an ihr vorbei. Nichts anmerken lassen. Dann sah ich eben noch aus den Augenwinkeln ihre Startnummer: Staffelläuferin. Ich hasse Yoguretten. "Call me Ishmael!"
Das Kernproblem der Yogurette im Film: http://www.youtube.com/watch?v=axwujVKI2gA
Die Tragik der letzten Begegnung in Wort und Schrift: http://www.gutenberg.org/files/2701/2701-h/2701-h.htm#link2HCH0001
Die Tragik der letzten Begegnung in Wort und Schrift: http://www.gutenberg.org/files/2701/2701-h/2701-h.htm#link2HCH0001
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