Ja, ich bekenne: ich bin ein Fitnessstudio-Muffel. Ich bin eine dieser Karteileichen, die die Betreiber der Studios Reich machen. Ehrlich. Ich bewege mich wirklich gerne, auch für Stunden, aber an der frischen Luft. Ich laufe gerne, auch lange Distanzen. Aber an der frischen Luft. Ich fahre gerne Fahrrad. Aber nicht im Studio, sondern an der frischen Luft. Ich mag einfach die klare, frische Luft im Wald, die abgestandene, schweißgeschwängerte Luft im Fitnesssstudio versuche ich zu meiden. Und ich mag den Lärmpegel nicht. Dennoch, gelegentlich versuche ich Abwechslung in meinen sportlichen Ablauf zu bringen und gehe trotzdem hin. Und bereue das normalerweise sofort. Spätestens beim neudeutsch "Check-In" genannten Prozess, der dem Vernehmen nach der Kundenzufriedenheit dienen soll, in Wahrheit einfach nur lästige Prozedur ist. Allerspätestens aber wenn die Gerüche des "Olfaktoriums", vulgo Umkleidekabine, sich den Weg in mein Geruchsverarbeitungszentrum bahnen.
Überhaupt die Gerüche. Im Rahmen meiner sportiven Abwechslungsstrategie wählte ich die Ruderbank, die die hochmögenden Herren der Sporthallen nunmehr direkt an einen "Freestyle-Area" genannten Bereich platziert hatten. In diesem "Quodlibet" bewegen sich nun die Menschen nach einer mir nicht verständlichen Choreographie, während andere Menschen am Rand auf ihren Einsatzbefehl warten. Das Ganze scheint der Unterhaltung der rudernden Bevölkerung zu dienen, also nehme ich das Angebot während ich mich abmühe gerne an. Doch das Verhängnis nahm seinen Lauf - und zwar in Form einer jahreswechselvorsatzüberamibtionierten Dame, deren Aussehen und Form in diametralen Gegensatz zu ihrer ärmelfreien und gewiss seit Jahrhunderten der Waschmaschine entzogenen Sportkleidung stand. Den optischen Terror vergaß ich rudernderweise in dem Moment, in dem sie an mir vorbeilief und die Bilder in meinem Kopf augenblicklich an einem Anschlag auf meine Geruchsnerven scheiterten. Ich versuchte Contenance zu bewahren und nicht von der Ruderbank zu fallen, obwohl sich mein Gesicht ob dieser Eindrücke vermutlich bereits grün verfärbt hatte. Weiterrudern. Ablenken. An etwas anderes denken. Irgendetwas. Irgendetwas. Irgendetwas. Ovid. Also meinetwegen. Ovid.
Ich hatte kürzlich, als ich ein bestimmtes Buch in meiner Bibliothek suchte, zufällig ein Buch von Ovid wiederentdeckt. Es heisst "Ars Amatoria" - Liebeskunst und schildert eindrücklich, wie Mann Frau und wie Frau Mann möglichst effektiv für sich gewinnen kann. Flachlegen, würde man heute wahrscheinlich sagen. Nun, in seinem dritten Buch schreibt er über die Körperpflege: "Beinahe hätte ich euch noch ermahnt: Laßt den Geruch des trotzigen Bocks nicht unter die Achselhöhlen kommen und die Beine nicht von borstigen Härchen rauh sein!". Es ist erstaunlich, wie modern dieser zweitausend Jahre alte Schriftsteller daherkommt. Ich wünschte, dieses Buch wäre Pflichtlektüre in den Fitnessstudios dieser Welt. Aber vielleicht war es auch nur so, daß Ovid dieses Buch selbst in einem Fitnessstudio geschrieben hat - das damals wahrscheinlich noch Gymnasion hieß. Ich weiß es nicht. Wie auch immer, ich werde jetzt ersteinmal wieder durch die frische Luft des Waldes laufen. "Quam paene admonui, ne trux caper iret in alas neve forent dursi aspera cura pilis!"
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