Sonntag, 27. Januar 2013

The Wind of Change

Neulich hatte ich ein Erlebnis mit einem Ewiggestrigen. Also, ich meine nicht einen von denen, die den rechten Arm am Oberschenkel festbinden müssen, damit der Lebenslauf durch den Verfassungsschutz geschreddert wird, sondern einen aus der anderen Ecke. Sie wissen schon - 68 und so. Wir sprachen über die Weltpolitik. Global. Galaktisch. Und dann sagte der Ewiggestrige etwas, das mir zu denken gab: Saddam, so sagte er, sei ein böser Diktator gewesen, der die Menschenrechte mit Füßen getreten hätte - und die USA hätten richtig gehandelt, ihn zu beseitigen. Aha, dachte ich mir, offenbar ist der "Wind of Change" doch nicht nur eine Form der Flatulenz gewesen, sondern hat möglicherweise auch zum Aufweichen von Fronten nicht nur in Welt- sondern auch in Gehirnregionen geführt, denn solch altersmilde und leichtfertige Billigung bellizistischer aggessiver Akte des Imperialismus hätte es früher nicht gegeben. 
Wir hechelten weiter durch die Welt der Bösen und Diktatoren, über Pinochet (übrigens auch ein 11. September) zu Ahmadinedschad und über eine Betrachtung weiterer Sympathieträger der Weltgeschichte schließlich hin zum "Arabischen Frühling" - um dann  dann scharf links abzubiegen, denn: Che und Fidel - das seien keine Diktatoren, schließlich hätten sie das Kubanische Volk von Batista befreit (ein Handlanger der USA übrigens), Gesundheitsversorgung für alle gebracht und Kuba hätte jetzt das beste Gesundheitssystem in Lateinamerika. 
Mir drängt sich nun die Frage auf, ob die politische Opposition auf Kuba, die vom Geheimdienst verhafteten, internierten und drangsalierten das wohl genauso sehen würden. Adorno schrieb einmal, es gäbe kein richtiges Leben im falschen. Und das gilt auch für "gute Diktatoren" - bei allem guten Willen. Ita est.


(Adorno, Minima Moralia: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“)

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